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Südwest Presse (10.06.2013)

 

Spritzig, feurig und atemberaubend

Beim Galakonzert des Mozartfestes in der Würzburger Residenz kam es zum mit Spannung elwarteten Auftritt der Sonatori de la Gioiosa Marca.

Passend zum außergewöhnlichen Ambiente wurde die üppige Bildersprache von Antonio Vivaldi, Tarquinio Merula, Biagio Marini und Martino zu Gehör gebracht. Ausgereifte lnstrumentaltechnik und spontanes Temperament war bei den ausgewiesenen Experten für Barockmusik Trumpf. Dabei konnte man verschmezen, dass der italienische Geigenvirtuose Giuliano Carmignola im Feuereifer gelegentlich allzu vernehmbar auf den Holzboden des Bühnenpodestes stampfte. Abgerundet wurde der mitreißende Abend mit einem italienischen Menü im bezaubernden Gartensaal des Architekten Balthasar Neumann.
Die erste Geige des 1983 in Treviso gegründeten Ensembles von Barockspezialisten spielte Giuliano Carmignola, der als einer der besten Violinisten ltaliens gilt. Die Stadt Treviso war seit dem 15. Jahrhundert Teil des venezianischen Landbesitzes, italienisch "marca" genannt. Die Sonatori, also "Spielleute", gehören heute zu den erfolgreichsten Musikern auf dem Gebiet der historisierenden Aufführungspraxis. Vor allem mit ihren VivaldiInterpretationen machten sie sich einen Namen. Wie dieser heute gespielt wird, demonstrierten die ltaliener mit einer stark besetzten Basso-continuo-Gruppe unerhört virtuos in den Tempi des 21. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass sie zum Auftakt das anspruchsvolle Konzert für Violine und Orchester D-Dur RV 562 von Antonio Vivaldi wählten. Dem Auftritt der Solovioline gehen im Andante-Allegro die Oboen und Hörner voran. lm dritten Satz blasen sie zur Jagd, doch das Husarenstück liefert spritzig und feurig die Solovioline mit einem atemberaubenden Presto. Allerdings vezieh dabei die Akustik des Saales nicht den geringsten Schnitzer.
Dominierten in der Renaissance noch die Bläser, traten zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Streicher aus ihrem Schatten heraus. Einer dieser Geiger war Biagio Marini, der aus Brescia zum Broterwerb in das wohlhabende Venedig kam und als Komponist ganz bestimmte Vorstellungen von der Aufführung entwickelte. lm Kaisersaal spielte Giuliano Carmignola mit dem Ensemble der "Sonatori" die kuzen Stücke "Passacaglio a 3" von 1655 und die "Sonata sopra la Monica" von 1629. Auch bei einem intensiven Streifzug durch die venezianische Barockmusik muss beim Mozartfest wenigstens der Namensgeber vertreten sein. Zufällig in den Jahren des lnnenausbaus der Wüzburger Residenz schrieb Wolfgang Amadö Mozart sein Konzert für Violine und Orchester B-Dur, das zum Abschluss des Galakonzertes mit Verve gespielt wurde.
© Felix Röttger