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Fränkische Nachrichten (10.06.2013)

 

Italienische Meister und Mozart

...Italienische Musiker waren diesmal angesagt. lm Gepäck brachten sie italienische Meister der Renaissance und des Barock mit, den Abschluss machte Wolfgang Amadeus Mozart. Die Solisten sprühten in den Werken von Vivaldi, Merula, Marini und Pesenti den Glanz und die Frische aus, wie man diese in ltalien seinezeit zuhauf erfahren konnte.
Das Orchester Sonatori de la Gioiosa Marca aus Treviso bot eine unterhaltsame Musik auf historischen lnstrumenten dar, die in ihrer Kurzweil und heiteren Musizierpraxis die festlich animierten Zuhörer zu Begeisterung hinriss. ln Vivaldis Konzert für Violine und Orchester D-Dur und in Mozarts Konzert für Violine und Orchester B-Dur KV 207 enrvies sich der Geigensolist Giuliano Carmingnola als brillanter Barocksolist, der sich wie weiland Paganini über alle technischen und musikalischen Tricks erhaben zeigte und auch in der sensibleren Sprache die Musik in den langsamen Sä2en den richtigen Tonfallfand.
Bei Vivaldi wie bei Mozart frappierten neben der Akkuratesse der technischen Ausführung die vorwärts drängende Musizierfreude, die das Orchester und das Publikum geradewegs ansteckte. Zwischen den größeren Werken spielte dieses fabelhaft kongenial zusammenwirkende Orchester eine Ciaccona und einen Ballo von Tarquinio Merula, eine Passacaglia und Sonata von Biagio Marinisowie Passo emezzo von Martino Pesenti, Musik, die über die Musizier-und Kompositionspraxis der Zeit vor dem Barock eine unmittelbare Auskunft erteilt hat. Freilich könnte man alle diese Werke in eine gleiche Schublade stecken, sie klingen §leichermaßen virtuos, brillieren in Variationen über einen gleich-bleibenden Bass und unterscheiden sich im Grundtenor kaum von den anderen Stücken dieser Gattung.
Mit Mozart hörte sich die Musik schon in einer höheren Stufe an. Da entfalteten sich schönere, wohlintonierte Melodien, und formale Gesetze wir:kten viel bgerundeter. Der hervorragende Solist auf der Geige Giuliano Carmingnola war den technischen und musikalischen Anforderungen der Konzerte von Vivaldi und Mozart über die Maßen gewachsen. Vivaldis Konzerte vereinen eine höchste Virtuosität mit satztechnischer Brillanz.
Seine Musik wirkt durchflutet mit technischer Raffinesse, mit Spielfreude und Heiterkeit, mit Leichtigkeit und Theatralik. Carmingnola zeigte sich als authentischer Experte des barocken Violin-Repertoires, klangfreudig zupackend, auch delikat mit der nötigen Variabilität.
Die Musiker des Ensembles warfen sich voll Verve in diese Violinkunst. Die flexibel agierende Streichergruppe wurde vom empfindsam begleitenden Basso continuo dezent unterstützt. Die rhythmische Finesse ging Handin Hand mit der melodischen Linienführung. Helle und dunkle Eintönungen standen Seite an Seite mit dem feierlich auftrumpfenden Tuttiklang. Die langsamen Sätze waren keineswegs überbrückende Passagen zwischen den virtuos-rasanten Ecksätzen, sie formte der Solist zu ruhevollen Abschnitten voller eigen ständiger Expressivität.
© Klaus Linsenmeyer