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Platte des Monats

...die Ausführung der Sonatori ist so exquisit wie immer. Nach wie vor und "forewer young" interpretiert die Truppe auf Höhe der Zeit und in seiner Qualität so zeitlos wie eh und je. Sie erliegen nicht der Versuchung, Vivaldi olympisch spektakulär zu spielen, sondern bewahren Augenmaß und vor allem Seelentiefe. Wie selbstverständlich gelingen die Werke, raffiniert und schelmisch einerseits, mit großen Spaß und Ernsthaftigkeit andererseits.

...Giorgio Fava spielt in jedem Fall solistisch, sein Partner gesellt sich aus dem Ensemble hinzu. Das sind dann die Violinisten Giovanni Dalla Vecchia, Claudio Rado, Massimiliano Tieppo, Mauro Spinazze bzw. Giorgio Pavan. Ein winziges Detail sei auch genannt, die Sonatori-CD weist zwei Welt-Ersteinspielungen auf, nämlich das Concerto C-Dur RV 55a, arrangiert für zwei Violinen und 2 Cellos, und das Concerto F-Dur "La tempesta di mare", bearbeitet für reines Streicherensemble. "Spiegelt Vivaldi die Stadt Venedig wider? Oder spiegelt sich Venedig in Vivaldis Musik", lautet die erste Zeile im Textbuch der vorliegenden CD "Vivaldi in a Mirror" und spiegelt seinerseits meinen Gedankengang zur CD des Monats November 2016. Dieses Spiegeln der Stadt ist permanent und setzt sich in der Glas- und Spiegelmanufaktur wider. Venezianisches Glas und vor allem venezianische Spiegel waren weltberühmt, ein Alleinstellungsmerkmal sozusagen. Auch das Booklett der Gli Incogniti-CD nimmt diesen Gedanken auf und führt mit folgendem Zitat Michel Tourniers ins Sujet ein: "Die venezianischen Spiegel hängen niemals gerade, sie zeigen dem, der hineinschaut, niemals sein Spiegelbild. Es sind geneigte Spiegel, die den Blick in eine andere Richtung zwingen. Gewiss, sie haben etwas Hinterhältiges, etwas Spitzelhaftes an sich, aber sie bewahren einen vor den Gefahren griesgrämiger und fruchtloser Selbstbetrachtung. Mit einem venezianischen Spiegel wäre Narziss gerettet."
Bei aller Schwärmerei für die Lagunenstadt trübt ein nicht unerhebliches Detail hier doch so wohliges Bild: Venedig war nicht nur die Stadt der Kunst und Kultur, sondern vor allem auch die Stadt der Spitzel, Denunzianten und Geheimdienste - bocca di leone, Löwenmaul, der anonyme Briefkasten findet sich in der gesamten Stadt und heute noch am Dogenpalast!
Das "Concerto con Violino principale e altro violino per eco in lontano" ist nun die eigentliche Überschrift für die Sonatori-CD. Weniger Wettstreit, mehr Spiegelung, mehr Echo ist die Absicht Vivaldis. So spielen die beiden Solisten nicht gegeneinander, sondern spiegeln sich, ergänzen sich, imitieren sich, sie versetzten den Hörer "in ein optisches Kabinett", liest man im Booklet, Welches Anasthasius Kircher SJ 1646 beschreibt.
Bei aller grauen Theorie, die Ausführung der Sonatori ist so exquisit wie immer. Nach wie vor und "forewer young" interpretiert die Truppe auf Höhe der Zeit und in seiner Qualität so zeitlos wie eh und je. Sie erliegen nicht der Versuchung, Vivaldi olympisch spektakulär zu spielen, sondern bewahren Augenmaß und vor allem Seelentiefe. Wie selbstverständlich gelingen die Werke, raffiniert und schelmisch einerseits, mit großen Spaß und Ernsthaftigkeit andererseits.

Robert Strobl
TOCCATA - ALTE MUSIK AKTUELL